Galalith – die Wiederbelebung des Milchsteins

Galalith ist ein Kunststoff, der mit einem natürlichen Polymer chemisch veredelt wird – in diesem Fall das in der entrahmten Milch oder in Sojabohnen vorkommenden Eiweiß Casein. Der Name Galalith geht aus dem griechischen hervor – Gala=Milch und Lithos=Stein. Man bezeichnet ihn somit auch als Milchstein.
Hergestellt wurde er zum ersten Mal im Jahre 1897 von Adolph Spitteler und W. Kirsche. Das Casein wird zunächst getrocknet und mit Farb- und Füllstoffen versetzt bis es unter Druck und Wärme zu einer homogenen Masse verdichtet wird. Durch Pressen wird die Masse auf die gewünschte Form gebracht und dann mit einer Formaldehyd Lösung gehärtet. Die Härtung von großen Platten kann sogar mehrere Monate dauern.


Im 20. Jahrhundert wurde Galalith von der Industrie meist in Form von Platten, Stäben und Röhren geliefert und in hauptsächlich in der Knopf- und Schmuckindustrie verwendet. Großer Abnehmer war dabei Jakob Bengel für die Art Deco Schmuckproduktion.
Doch was sind die herausragenden Eigenschaften, die Galalith zum bevorzugten Kunststoff auf dem Markt im 20. Jahrhundert werden ließen?
Eine einfache, kostengünstige Herstellung und Verarbeitung sowie Einfärbung mit Farbpigmenten und eine tolle Optik – all das waren die Gründe, warum die Galalith-Produktion boomte. Außerdem haben seine wunderbar leuchtenden Farben, seine Mohshärte von 2,25 bis 2,5 und gleichzeitige Elastizität zur vielseitigen Verwendung verholfen.






Galalith ist in physikalischer und chemischer Beziehung dem Naturhorn und Schildpatt sehr ähnlich. Es lässt sich wie Naturhorn verarbeiten – nämlich drehen, bohren, fräsen, prägen, löten und nachträglich in alle Töne einfärben. Außerdem ist die Polierfähigkeit neben der Nichtbrennbarkeit eine hervorragende Eigenschaft des Galaliths.
Bis in die 30er Jahre wurde Galalith verwendet, allerdings konnte es sich gegen das ab 1910 erhältliche  Bakelit kaum durchsetzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es neue Kunststoffe, die den Galalith vom Markt verdrängten. So war Erdöl, als Basis neuer Kunststoffe wesentlich günstiger.

Heute existieren nur noch wenige Firmen die Galalith meist noch in Platten und Stäben herstellen. Nur mit ihrer Hilfe kann eine Wiederbelebung des Jakob Bengel Art Deco Schmucks überhaupt noch ermöglicht werden. Zur Auswahl stehen nun 19 verschiedenen Galalith-Farben, die individuell für jedes Schmuckstück frei wählbar sind.